„Am sechsten Tag schuf Gott den Menschen“. Am sechsten Tag unseres Hilfseinsatzes sind wir seiner Krone der Schöpfung in so vielen Gesichtern begegnet. Dabei waren junge, neugierige und strahlende Gesichter, alte, zerbrochene und traurige, genauso wie verzerrte, aufgesetzte und dreckige Gesichter. 

Seit wir in der tropischen Hitze der Philippinen angekommen sind, haben wir schon einiges erlebt und gemacht. Unsere Hosts Hannah und Myleah aus den USA waren gut vorbereitet und erstellten einen toughen Zeitplan für uns. Den ersten ganzen Tag in Qezoncity (Manila), verbrachten wir neben schwitzen in den Savehouses: Wisdom,  Love and Hope. Hinter diesen Namen stecken Häuser voller starker, freier, junger Frauen die den Weg in ein besseres Leben wagten. Die Verhältnisse sind beengt und manche haben nicht mal Betten (nur Matrazen) und teilen sich die Zimmer mit vielen anderen Mädels. Aber andererseits ist immer was los und jemand da der zuhört. Auch einige Tiere leben mit den Frauen. Ati Bekki (die Gründerin von Wipe Every Tear) sagte im Scherz, dass sie kurz davor sind ein Tierheim mit dem Namen „Walk Every Tail“ zu eröffnen 🙂 ihre Liebe gilt auch diesem Teil der Schöpfung.

Der zweite Tag führte uns in Teile Manilas, die die Geburtsstätte der vielen Prostituierten sind. Alles beginnt mit einem kleinen, hübschen Mädchen in einem Metall- und Bretterverschlag, umgeben von Dreck, Müll, unzureichenden Abwassersystemen und Armut. Wenn ein Mädchen in diesen Bedingungen aufwächst, hat es keine Chance in die Schule zu gehen und einen  guten Job zu bekommen. Sie wird viele Probleme haben und oft verzweifeln. Vielleicht hat sie viele Geschwister, vielleicht ein eigenes Kind, vielleicht nicht mal einen liebenden Ehemann dazu. Prostitution scheint dann eine realistische Option zu sein…. Wir waren dort. Im Dreck, im Müll, im Bretterverschlag der Community von Barnaba, einem Slum Manilas. Die Menschen entwickeln faszinierende Ideen, um ihr Einkommen zu verbessern, wie z.B. Hahnenkämpfe, kleine Minimarkets in ihren „Häusern“ und dem Verkauf von geernteten Mangos. Barnaba House ist eine Gemeinschaft von Christen, die in der Community wohnt und dient. Sie bieten Unterricht für Kinder, Sunday School und kümmern sich um die Menschen vor Ort. Obwohl offensichtlich foreigners waren, waren die Menschen freundlich und nahmen uns mit offenen Armen auf. Eine Horde Kinder folgte uns interessiert durch die Gassen des Slums 🙂

Der dritte Tag war gestern. Erst gestern müsste ich fast sagen. Und es war der härteste. Nach dem Slum Outreach dachten wir schon viel Unglück gesehen zu haben, doch angekommen in Angeles City wurden wir eines Besseren belehrt. Alleine nachmittags durch die Strassen zu laufen war etwas völlig anderes als in Manila. Die Menschen sind arm und betteln viel. Überall wird man angelabert und die Vibes dieser Stadt sind sehr negativ. Nach einer intensiven Gebets- und Lobpreiszeit wurden wir in Gruppen aufgeteilt und machten uns auf den Weg Richtung Walking Street (= das Rotlichtmilieu hier). Die Dichte der Sexclubs ist unfassbar und es sind nur ausländische männliche Touristen, Prostituierte oder Verkäufer (auch Kinder die Viagra, Kaugummis oder Zigartten veräußern) unterwegs. Nach dem ersten Gefühl der Erschlagenheit beim Erreichen des Endes der Straße, fühlten wir uns zumindest halb bereit in einen Club hinein zu gehen. Die Phillipinas sind auf uns foreigners angewiesen, da es ihnen nicht erlaubt ist in die Clubs zu gehen – die Zielgruppe sind Ausländer. Neben Deutsch und Englisch hörte ich sogar Niederländer reden. Die Männer sind vorzugsweise alt und schrecklich. Schrecklich in sich verkrümmt vermutlich auch. In der Bar angelangt bestellten wir zunächst Drinks, um uns dann ein Mädchen „auszusuchen“, das halb nackt vor uns tanzte. Wir lachen, damit wir nicht weinen müssen.

Über den Walking Street Outreach werde ich nach den 3 Tagen nochmal expliziter berichten. Nur so viel erst mal: bitte betet für die Frauen und unser Team. Dieser Ort ist so dunkel und bösartig, dass wir Liebe, Licht und Gerechtigkeit wirklich gebrauchen können. 

Danke euch und bis bald ♡