Unsere Woche hat mit Seminaren angefangen, die uns hinsichtlich der Verhältnisse in Glasgow, unserer Arbeit und auch unser eigener Sicherheit Tips und Anweisungen gegeben haben. Natürlich, wie nicht anders zu erwarten, regnete es den ganzen Morgen in Strömen und wir waren froh, erstmal im Trockenen zu sein. Dann wurde es Mittags ernst: Wir wurden in Gruppen eingeteilt jeweils vier „ Amateure“ mit einem erfahrenen Streetworker zusammen. Sobald wir das Gebäude der Glasgow City Mission verlassen hatten, wurden wir mit trockenem Wetter und sogar Sonnenschein gesegnet. Dank dem Wetterumschwung viel es den meisten von uns nicht schwer uns zu den bettelnden Menschen rund um den Hauptbahnhof zu setzten, sie anzusprechen und zu den dieswöchigen geplanten Essen einzuladen. Schon an diesem ersten Tag hatten wir viele einmalige Begegnungen mit unseren Mitarbeitern und den Menschen auf der Straße und durften viel lernen, das wir auch wieder mit zurück nach Frankfurt nehmen können. Wir hatten danach noch ein interessantes Feedback Gespräch mit allen Teams zusammen, bei dem es draußen natürlich wieder angefangen hat, wie aus Eimern zu schütten.

Am Abend waren wir dann Teil eines Drop-in Centers in der Innenstadt. Unter anderem haben wir zwei großartige Frauen kennengelernt. „Pink Linda“ und „Wee Marry“ müssen zum Glück beide nicht auf der Straße schlafen, sind aber in einem weiteren Sinn auch heimatlos. Sie kommen in die Glasgow City Mission, um dort Menschen zu begegnen, die ihnen das Gefühl geben, angekommen und zuhause zu sein. Pink Linda wohnt bei ihrer Mutter in Glasgow, liebt es zu basteln und trägt immer pink. Man kann gleich davon ausgehen, dass sie keinen guten Tag hat, wenn sie mal kein Pink trägt. „Wee Marry“ hat diesen Spitznamen, da sie eine wirkliche kleine und zierliche Gestalt hat. Sie ist schon älter und wohnt in einer der Wohnanlagen für sozialschwache Menschen. „Wee“ bedeutet in schottischen Slang „klein“ oder „ein bisschen“. Man kann also „a wee bit coffee“ bekommen, oder ein „wee kid“ an der Straßenecke spielen sehen.

Im Speisesaal der Herren unterhielten sich Andi, Danny und Mischa mit einem Mann, der Militäruhren sammelt. Immer wieder zeigt er uns Fotos von Taschen- oder Armbanduhren, die er ersteigert hat. Einige davon sehen sehr alt aus und er erzählt, er habe sogar eine deutsche Marinearmbanduhr von der „Bismarck“.

Wir lernen viel über die Banden der Stadt. Beispielsweise erzählt er uns über den traditionellen Krieg zwischen den Fans der beiden Fußballmannschaften „Celtics“ und „Rangers“, der viel weiter geht, als wir es bei uns gewohnt sind. Die

Fans treffen sich in unterschiedlichen Kneipen. Kommt man als Fan der Rangers in eine Celtics-Kneipe, kann es passieren, dass man sie nicht unverletzt bzw. gar nicht mehr verlässt. Die Fans der Celtics sind in der Regel katholisch, während die Fans der Rangers sich zu den Protestanten zählen.

Alles in allem, waren diese Begegnungen sehr herzlich und einzigartig.

Herzlich ist vor allem auch die Parkhead Nazarene Church, die uns in ihrem Gemeindehaus schlafen lässt. Jeden Abend essen wir mit den Leuten, die ganztägig in dem off

enen Gebäude der Kirche ein und aus gehen. Besonders ist es hier wichtig zu bemerken: Alle hier haben eine krasse Vorgeschichte. Sie waren Drogenabhängig, Alkoholsüchtig, haben Suchtmittel verkauft und Familienmitglieder durch Morde verloren. Sie alle sind nun clean, haben einen Job und sind Teil der Familie der Parkhead Nazarene Chruch und haben uns herzlicher aufgenommen, als wir es uns je hätten vorstellen können.

Wenn ihr mehr über die bewegenden Geschichten der einzelnen Personen erfahren möchtet, freuen wir uns sehr, wenn ihr uns nach unserer Woche einfach persönlich darauf ansprecht!

Wir halten euch auf dem Laufenden, was unsere kommende Woche noch so bringt!